Bio-Kosmetik und Bio-Bekleidung

Rund ums Thema Glycerin

Glycerin comme avant seife

Es gibt nicht nur Wikipedia, YouTube und Google, um ein Thema gründlich zu recherchieren. Mit der Zeit und dank praktischer Erfahrung haben wir ein Know-how erworben, auf das wir stolz sind und dass wir gerne mit Ihnen teilen möchten. 

 

Woher kommt das Glycerin in der Seife? 

Glycerin entsteht bei der Herstellung unserer festen Seife. Eine Seife wird mittels einem als Verseifung bezeichneten Prozess hergestellt, der aus einer Reaktion zwischen einem alkalischen Mittel (z. B. Natronlauge, Kali, Asche usw.) und einer fetthaltigen Substanz (Pflanzenöl - Kokosnuss, Olive usw. - oder einem anderen, z. B. tierischem Fett) besteht. 

Diese Verseifung ist in zwei Formen möglichin heißer oder kalter Verseifung. 

Bei der heißen Verseifung werden die Zutaten (z. B. Öl und Natronlauge) mehrere Stunden lang unter hohen Temperaturen erhitzt. Dies beschleunigt den Verseifungsprozess, da die Trocknungszeit (oder Aushärtung) auf nur einen Tag reduziert werden kann. 

Die kalte Verseifung erfolgt bei Umgebungstemperatur. Die dabei entstehende Masse muss anschließend etwa einen Monat lang trocknen. Sie können eine kalt verseifte Seife dank des SAF-Logos auf der Website des Herstellers leicht erkennen. 

Nach der Verseifung (heiß oder kalt) entsteht neben der Waschlösung, die auch als Seife bezeichnet wird, Glycerin. 

 

Aber was genau ist Glycerin? 

Glycerin ist ein wesentliches Element im Fettkörper und wird gleichzeitig mit der Seife während der Verseifung gewonnen. Es ist daher ein natürlicher Bestandteil der Seifen. 

Das Glycerin kann anschließend: 

  • entfernt werdenDen Marseille-Seife wird das Glycerin beispielsweise durch Waschungen der Seifenpaste entzogen. 
  • in der Seife verbleiben: Unsere Seife enthält zum Beispiel natürliches Glycerin aus Olivenöl. 
  • hinzugefügt werden: In einigen Seifen wird Glycerin künstlich hinzugefügt, das Glycerin kann pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein, oder noch schlimmer ein petrochemisches oder synthetisches Produkt sein.  

Um herauszufinden, ob Ihre Seife Glycerin enthält, konsultieren Sie die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients), wo Glycerin unter dem Namen Glycerin oder Glycerol aufgeführt wird. 

Eist jedoch sehr schwierig, den Ursprung des Glycerins zu bestimmen, da der INCI-Name immer derselbe ist, unabhängig davon, ob es sich um pflanzliches Glycerin (Palmöl, Olivenöl), synthetisches Glycerin (aus Erdölderivaten) oder Glycerin aus tierischen Fetten handelt! Aus diesem Grund kann Glycerin in einigen kosmetischen Produktbeschreibungen (fälschlicherweise) als möglicher Bestandteil in Zusammenhang mit Palmöl aufgeführt werden. 

 

Hat Glycerin einen Einfluss auf meinen Körper? 

Die Tatsache, ob Glycerin natürlich im Produkt vorhanden ist oder künstlich zugesetzt wird, hat zwangsläufig einen direkten Einfluss auf Ihre Haut. 

Bei einer heiß verseiften Seife, wie beispielsweise Marseille-Seife, kommt das sogenannte Aussalzverfahren zum Einsatzd. h. die erhaltene Mischung wird mit Salzwasser gespült. Diese Methode entfernt die restliche Laugewelche für die Haut schädlich ist. Andererseits wird auf diese Weise auch das Glycerin entfernt, welches Vorteile für unsere Haut bietetAus diesem Grund haben heiß verseifte Seifen einen Peelingeffekt, welcher für Menschen mit empfindlicher, gereizter oder geschädigter Haut unerwünscht ist. 

Das Verfahren der Kaltverseifung verzichtet auf starke Hitze, die Inhaltsstoffe erreichen maximal 60 °C. Das bietet den Vorteil bietet, dass die positiven Eigenschaften der Öle bewahrt werden. 

Natürliches Glycerin hat feuchtigkeitsspendende und wohltuende Eigenschaften für unsere Haut. Bei der Herstellung unserer Seife haben wir uns entschieden, diese Eigenschaften zu erhalten. Zusätzlich weist unsere Seife dank eines Überschusses an nicht verseiftem Öl einen Überfettungsanteil von 7% auf. Dank dessen nährt unsere Seife die Haut in der Tiefe, schützt sie, hinterlässt einen Film auf der Haut und kann von allen Hauttypen, selbst empfindlichster Haut, verwendet werden. 

 

Ist Glycerin nicht schlecht für die Rohrleitungen? 

In vielen Rezepten für hausgemachte Haushaltsprodukte wird die Verwendung einer Seife ohne Glycerin empfohlen, da dies zu Verstopfungen der Rohre oder von Dusch- und Badewannenausflüssen führen kann. Die Rohrleitungen sollten regelmäßig gereinigt werden, dies gilt jedoch insbesondere für künstlich zugesetztes Glycerin. 

Sie können unsere Seife, unsere geraspelten Seifenraspeln oder jede andere Seife mit natürlichem Glycerin auch verwenden, um Ihre hausgemachte Wäsche und Ihre Haushaltsprodukte herzustellen. Wir empfehlen Ihnen, Ihre Maschine ungefähr einmal im Monat im Leerlauf mit 2 EL Sodakristallen bei 60 °C zu reinigen.  

Wenn Sie feststellen, dass Seifenschaum den Abfluss Ihrer Dusche oder Badewanne blockiert, können Sie auch dort Sodakristalle hinzugeben. 

 

Kann Glycerin meine Kleidung beschädigen? 

Wenn Sie Ihre Wäsche zu Hause mit einer natürlich glycerinhaltigen Seife waschen, wirkt sich das nicht auf Ihre Kleidung aus, im Gegenteil. 

Glycerin hat weichmachende Eigenschaften, die nicht nur Ihre Haut, sondern auch Ihre Wäsche erweichen und schützen (insbesondere Wollkleidung). Übrigens kann Glycerin einige hartnäckige Flecken auflösen und manchmal eingelaufene Kleidung wieder in Form bringen. 

Wenn Sie allergisch auf bestimmte Reinigungsmittel reagieren, können Sie Ihre Wäsche mit einer Seife waschen, die natürliches pflanzliches Glycerin enthält. Tatsächlich erhalten wir regelmäßig positives Feedback von unseren Anwenderndie unser Rezept für hausgemachtes Waschmittel lieben. 

Es gibt jedoch Kleidung, für die Glycerin nicht unbedingt empfohlen wird, z. B. Menstruationshosen oder waschbare Windeln. Wenn Sie diese weiterhin mit glycerinhaltigem Waschmittel reinigen möchten, sollten Sie einmal pro Monat Windeln und Menstruationshosen bei 60 °C im Leerlauf mit 2 EL Kristallsoda waschen. 

 

Kann sich die Wahl meiner Seife auf die Umwelt auswirken? 

Absolut. Die Art und Weise, wie eine Seife hergestellt wird und welche Inhaltsstoffe sie enthält, kann ökologische Auswirkungen haben. Als Verbraucher ist es wichtig, vor dem Kauf einer Seife einige Fakten zu kennen. 

Zunächst ist es am besten, sich für eine feste Seife zu entscheiden. Das produziert weniger Abfall und reduziert die Auswirkungen auf den Planeten. Es erfordert wenig oder gar keine Verpackung. Unsere Seife zum Beispiel ist in biologisch abbaubarem Kraftpapier verpackt und wird in unseren Boutiquen auch lose angeboten.  

Zweitens ist die Art und Weise, wie Seife hergestellt wird, nicht unbedeutend. Heiße Verseifung erfordert einerseits viel Energie, um die Zutaten zu erhitzen, und andererseits viel Wasser, um die Seife abzuwaschen und überschüssige Lauge zu entfernen. Denken Sie daran, dass während dieses Schritts auch Glycerin extrahiert wird. Die kalte Verseifung ist ein langsamer Prozess, der wenig Energie benötigt. Es ist auch nicht notwendig, die Seife zu waschen, da die Lauge nicht mehr vorhanden ist. Dies bedeutet eine echte Energie- und Wassereinsparung, die die Natur nicht belastet. 

Neben der Erstproduktion spielt die für die Seife gewählte Fettsubstanz, also z. B. die Ölsorte eine wichtige Rolle. Alle nicht nachhaltigen Öle sollten vermieden werden. Betrachten wir zum Beispiel Palmöl. Dieses Öl ist an sich nicht schlecht für die Haut, andererseits beschleunigt es die Abholzung von Wäldern. Palmöl erscheint als sodium palmate oder sodium palm kernelate in der INCI-Liste. Das gewählte Öl kann auch ethische Folgen haben, da einige Seifen tierische Fette oder Talg  sodium tallowate - in die INCI-Liste aufnehmen. 

Um zu Glycerin zurückzukehren: Wenn es Seife künstlich zugesetzt wird, kann es synthetisch sein und daher aus Erdölderivaten stammen. Die Auswirkungen sind unweigerlich erheblich, darum wiederholen wir: Es ist besser, Seifen (und das gilt generell für Produkte) zu bevorzugen, die natürliches Glycerin pflanzlichen (nachhaltigen) Ursprungs enthalten. 

Wie bereits erwähnt, sagt die Inhaltsstoffliste allein leider nicht aus, ob das Glycerin in einer Seife synthetischen, tierischen oder pflanzlichen Ursprungs ist. Es ist Sache des Verbrauchers, dies herauszufinden, über die Marke zu recherchieren oder den Hersteller zu kontaktieren, wenn dieser nicht transparent kommuniziert. 

 

Also, was ist nun besser, eine Seife mit oder ohne Glycerin? 

Wir sind der Meinung, dass eine Seife, die Glycerin und insbesondere Glycerin aus Pflanzenölen enthält, vorteilhafter ist. Auf der anderen Seite sollte diese nachhaltig sein und positive Wirkungen auf die Haut haben. 

Kalt verseifte Seifen sind ökologisch betrachtet umweltfreundlicher als die meisten anderen Seifen. Sie schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe: Glycerin und kalte Verseifung. 

Wir empfehlen Ihnen abschließend, hochwertige, kalt verseifte Seifen mit natürlichem und lang anhaltendem Glycerin zu bevorzugen, die Ihre Haut respektieren und die Umwelt schützen.